Die Zusammenarbeit der Psychiater mit der Pharmaindustrie und der Versicherungsbranche

Dr. Charles Konia

(aus dem Journal des Orgonomy,
Vol. 46/1, Spring/Summer 2012)

Die mechanistische Ausrichtung der amerikanischen Psychiatrie führte zu einer Beziehung mit der Pharmaindustrie und der Versicherungsbranche, die von wirtschaftlichen Absprachen geprägt ist. Psychiater benutzen zur Behandlung von Patienten Medikamente aufgrund der vorherrschenden „gehirn-zentrierten“ Sichtweise der Ätiologie von psychiatrischen Erkrankungen. Pharmazeutische Unternehmen informieren und „unterrichten“ den Psychiater darüber, welches psychotrope Medikament zu verschreiben ist, da sie ihre Produkte gewinnbringend vermarkten müssen, um zu überleben. Unterdessen erklärt die Versicherungswirtschaft, wobei sie ihre Gewinne maximiert, den Psychiatern, wieviel diese für ihre therapeutischen Bemühungen verlangen können und wie viele Arztbesuche „erstattet“ werden. Dem Psychiater bleibt wenig oder keine Gelegenheit emotionalen Kontakt mit dem Patienten herzustellen.

Um die Abstimmung zu festigen, werden einigen Psychiatern große Summen von pharmazeutischen Unternehmen bezahlt, damit sie deren Produkte unterstützen, entweder indem sie ihren guten Namen für die Forschungsarbeit zur Verfügung stellen, die von anderen geleistet wurde, und/oder indem sie sich als „Autoren“ von Artikeln für Fachzeitschriften zur Verfügung stellen, die tatsächlich von Mitarbeitern des Unternehmens verfaßt worden sind. Führende Persönlichkeiten in der Psychiatrie können auch diagnostische Entitäten populär machen, wie etwa die bipolare Störung bei Erwachsenen und Kindern, so daß Neuroleptika in größerem Umfang verwendet werden oder speziell auf diese Symptome zugeschnitten, vermarktet und angepriesen werden können.

Aus bioenergetischer Sicht beruht die „Wirksamkeit“ aller Psychopharmaka auf einer Grundlage: sie blockieren die Energiequelle hinter dem Symptom, stumpfen die Wahrnehmungsfähigkeit und das Gefühlsleben des Patienten ab, machen ihn weniger lebendig. Trotz allem, was von vielen behauptet wird, sind Medikamente, die „entworfen“ wurden, um bestimmte Neurorezeptoren im Gehirn zielgenau ins Visier zu nehmen, mitnichten „maßgeschneidert“, um eine bestimmte Erkrankung zu behandeln, vielmehr handelt es sich angesichts der Komplexität des Zentralen Nervensystems bei ihnen tatsächlich um eine Schrotflinte.

Ein positives Konzept für emotionale oder geistige Gesundheit ist abhanden gekommen. Was bleibt, ist das Ziel der mechanistischen psychiatrischen Behandlung unangenehme Symptome zu beseitigen. Passend zum mechanistischen Paradigma haben Psychiater ein Diagnosesystem entwickelt bzw. geändert, um die Beschränkungen der vorherigen Version zu beheben. Das neueste System, DSM-V, wird als vollkommen neu hingestellt, ist aber qualitativ nicht anders als seine Vorgänger. Es hat die Sache sogar noch komplizierter gemacht, indem weitere diagnostische Kategorien von Symptomen hinzugefügt wurden. Wie seine Vorläufer wurde es als diagnostische „Kurzanleitung“ für den Psychiater entworfen, um die zunehmende Menge an psychiatrischen Symptomen des gepanzerten Menschen anzugehen. Sicherlich hat sich nichts zum besseren geändert.

Das DSM-System beruht auf der falschen Annahme, daß die Quelle psychiatrischer Erkrankungen sich ausschließlich im Gehirn befindet. Daher sollen Medikamente, die entwickelt werden, um das Gehirn „ins Visier“ zu nehmen, zumindest in der Theorie Geisteskrankheit beseitigen. Nachdem jedoch erst einmal der diagnostische und therapeutische Prozeß mechanisiert wurde, ist der Psychiater nicht mehr für das emotionale Wohlbefinden des Patienten zuständig und jeder medizinische oder psychiatrische „Techniker“ kann die Arbeit erledigen. Nun mischen sich Pharmavertreter und Versicherungsangestellte in die Arzt-Patient-Beziehung ein und beeinflussen und bestimmen die therapeutische Entscheidungsfindung.

Warum halten so viele Psychiater und Laien hartnäckig an der gehirn-zentrierten Hypothese fest, obwohl dieser Glaube durch die klinische Erfahrung nicht unterstützt wird? Der Grund wird darin zu suchen sein, daß er wie eine starke Abwehr gegen das Wahrhaben der zugrundeliegenden emotionalen Ursachen für psychiatrische Zustände funktioniert. Diese tragische Situation zeitigt eine Reihe von hochgradig zerstörerischen Folgen:

  • Sie hindert Patienten daran, Kontakt mit ihren Gefühlen aufzunehmen, der Quelle ihrer Probleme, und hält sie davon ab, es mit einer nichtpharmakologischen Psychotherapie zu versuchen.
  • Die Menschen glauben fälschlicherweise, daß sie unter einer Erkrankung des Gehirns leiden und daher keine Verantwortung für ihren Gefühlszustand tragen müssen.
  • Sie hält Fachleute und Laien von einem ehrlichen Blick auf den beklagenswerten Zustand der modernen Psychiatrie ab, in der der einst renommierte psychiatrische Arzt auf einen Pillenverteiler reduziert wurde.

Dergestalt ist das Zusammenspiel zwischen den heutigen Psychiatern, der Pharmaindustrie und der Versicherungsbranche die notwendige Konsequenz des verzerrten mechanistischen Blicks auf die zugrundenliegenden Faktoren von psychischen Störungen.

Die richtige Beurteilung und Einordnung dieser emotionalen Faktoren führte zu einem funktionellen Diagnosesystem und einer funktionellen Behandlungsmethode. Die Ausbildungsprogramme des American College of Orgonomy für medizinische und soziale Orgonomie, werden von der weltweit einzigen Institution angeboten, die diesen Wissensschatz an qualifizierte Ärzte und andere Fachkräfte weitergibt, die in der psychiatrischen Versorgung arbeiten.

Diese Ausgabe des Journal of Orgonomy präsentiert mehrere Artikel, die den scharfen Kontrast zwischen dem funktionellen und dem mechanistischen Ansatz in der Psychiatrie aufzeigen.


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