Glossar

Abwehrmechanismen: Bestimmte psychische Verhaltensmuster (z.B. Verleugnung, Projektion und Isolation), die das Gewahrwerden einer aus dem Inneren oder aus der Umwelt stammenden Wahrnehmung verhindern, welche mit Angst oder emotionalem Schmerz verbunden wäre.

Angst: Die psychische Wahrnehmung des Organismus, der durch eine Kontraktion, die gegen die Expansion gerichtet ist, behindert wird, begleitet von einem schmerzlichen Gefühl der Bedrückung oder einer vagen, unbestimmten Sorge.

Antiautoritarismus: Das Gesellschaftssystem, das sowohl neurotische (irrationale) als auch rationale Autorität auf allen Ebenen der sozialen Organisation ablehnt.

Arbeitsdemokratie: Das Funktionieren von natürlichen und systemimmanenten rationalen Arbeitsbeziehungen zwischen Menschen. Das Konzept der Arbeitsdemokratie stellt die etablierte Wirklichkeit (nicht die Ideologie) dieser Beziehungen dar, die, obwohl sie in der Regel aufgrund der vorherrschenden Panzerung und irrationalen politischen Ideologien verzerrt sind, dennoch die Grundlage für die gesellschaftlichen Errungenschaften darstellen.

Autoritarismus: Das Gesellschaftssystem, das nach dem Prinzip der zwanghaften moralischen Regulierung arbeitet. Unter Führung des Vaters wird die autoritäre Familie im autoritären Staat reproduziert.

Bioenergie: Die Energie im lebenden Organismus, die ihm das Funktionieren ermöglicht. Identisch mit der biologischen Orgonenergie.

biologischer Kern: Das autonome Nervensystem, aus dem die biologische Erregung hervorgeht, um die Lebensfunktionen des Organismus aufrechtzuerhalten.

Biopathie: Pulsationsstörung des plasmatischen Systems (das aus dem vegetativen Nervensystem und dem Gefäßsystem besteht) durch das Vorhandensein von Panzer.

Biopsychiatrie: Psychiatrie aus bioenergetischer Sicht.

Charakter: Die dem Individuum eigene bioemotionale Struktur: seine stereotype Weise zu agieren und zu reagieren. Das orgonomische Konzept des Charakters ist funktionell und biologisch, kein statisches, psychologisches oder moralistisches Konzept.

Charakteranalyse: Die therapeutische Technik, die zur Behandlung von psychischen (charakterlichen) Aspekten des menschlichen Panzers zur Anwendung kommt. Siehe Orgontherapie.

Charakterpanzer: Die Summe der typischen Charakterhaltungen, die ein Individuum zur Blockade von Gefühlsregungen entwickelt. Charakterpanzer wird von Rigidität des Körpers und einem Mangel an emotionalen Kontakt („Leblosigkeit“) begleitet. Funktionell identisch mit Muskelpanzer.

Emotionelle Pest: Der neurotische Charakter, der in der Gesellschaft destruktiv agiert.

Erregung: Die objektive Bewegung der biologischen Orgonenergie im Organismus. Die Erregung bewegt sich mit verschiedenen Geschwindigkeiten in unterschiedlichen Geweben. Energie bewegt sich sowohl auf diskreten Nervenbahnen als auch ohne Rücksicht auf strukturelle Grenzen durch die unterschiedlichen Gewebe des Körpers.

Ersatzkontakt: Der Versuch Kontakt herzustellen, wenn der echte Kontakt durch den Panzer gestört ist. Ersatzkontakt ist deshalb gestelzt und künstlich, nicht echt.

Fassade: Die Oberfläche der bioemotionalen Struktur des gepanzerten Organismus, mit der das Individuum mit der Umgebung interagiert. Identisch mit der oberflächlichen Schicht und der sozialen Fassade. Bei Gesundheit nennt man sie „soziale Schicht“.

formale Demokratie: Verzerrung der Arbeitsdemokratie, die aus dem sozialen Panzer hervorgeht.

funktionelles Denken: Denken in der Art und Weise, nach der die Natur funktioniert. Im Gegensatz zum mechanistischen Denken, das auf der Anschauung der Natur als Maschine beruht, und mystischem Denken, das auf der Annahme beruht, die Natur sei unerkennbar.

Genitalität: Die Art und Weise in der das ungepanzerte Individuum funktioniert. Da keine sexuelle Stauung vorliegt, hat das betreffende Mensch die Fähigkeit zur natürlichen Selbstregulierung auf der Grundlage orgastischer Potenz.

Gesellschaftspolitik: Irrationale politische Aktivität infolge der Verschiebung intrapsychischer Konflikte auf die gesellschaftliche und politische Ebene.

Ideologie: Eine Reihe von Ideen auf der Grundlage eines fixen (d.h. mechanistischen oder mystischen) Denkens, die eine soziale Kraft erzeugen, wenn sie auf den gesellschaftlichen Bereich übertragen werden.

Kernfunktionen: Die Funktionen von Liebe, Arbeit und Wissen, die das rationale menschliche Leben steuern.

Kontakt: Die Wahrnehmung biologischer Erregung.

Muskelpanzer: Die Summe der Muskelhaltungen (chronische muskuläre Spasmen), die ein Individuum entwickelt, um den Durchbruch von Emotionen und Sensationen zu blockieren, insbesondere Angst, Wut und sexuelle Erregung. Funktionell identisch mit dem Charakterpanzer.

mystisches Denken: Dieses Glaubenssystem basiert auf der Idee, daß die Natur über die physischen Sinne nicht zu ergründen ist. Mystisches Denken hat eine objektive Grundlage, denn der Panzer verzerrt die Sinneseindrücke und verhindert den direkten Kontakt mit der Natur.

neurotischer Charakter: Der Charaktertyp, der wegen chronischer Stauung entweder auf der Grundlage des Prinzips der moralischen Regulierung arbeitet oder in Opposition dagegen.

oberflächliche Schicht: Die Oberfläche der bioemotionalen Struktur des Menschen.

Orgasmus: Die einheitliche, unwillkürliche Zuckung des gesamten Organismus beim Höhepunkt der genitalen Umarmung. In gepanzerten Individuen, die in Gesellschaften leben, die die Genitalität bei Kindern und Jugendlichen unterdrücken, wird dieser Reflex durch Orgasmusangst blockiert.

Orgasmusangst: Angst, die durch die endgültige und vollständige Hingabe des Organismus an seine unwillkürlichen Zuckungen hervorgerufen wird. Man begegnet ihr in der Endphase der medizinischen Orgontherapie, aber sie steht hinter allen Manifestationen der Panzerung. Der psychische Aspekt des Panzers.

orgastische Impotenz: Das Fehlen von orgastischer Potenz. Orgastische Impotenz ist das wichtigste Merkmal des durchschnittlichen Menschen von heute, und sie ist – durch Aufstauung biologischer (Orgon-) Energie im Organismus – die Energiequelle für alle biopathischen Symptome und jeden gesellschaftlichen Irrationalismus. Der somatische Aspekt des Panzers.

orgastische Potenz: Im Wesentlichen die Fähigkeit zur vollkommenen Hingabe an die unwillkürliche Zuckung des Organismus und vollständige Entladung der Erregung auf dem Höhepunkt der genitalen Umarmung. Orgastische Potenz fehlt bei neurotischen Personen immer. Sie setzt das Vorhandensein oder die Herstellung von Genitalität voraus, d.h. das Fehlen von pathologischem Charakter- und Muskelpanzer. Orgastische Potenz wird in der Regel und fälschlicherweise nicht von erektiver und ejakulativer Potenz unterschieden, die beide Voraussetzungen der orgastischen Potenz sind.

Orgonenergie: Primordiale kosmische Energie, universell präsent und visuell, thermisch, elektroskopisch und mit Hilfe des Geiger-Müller Zählers nachweisbar. Im lebenden Organismus wird diese Art von Energie als Bioenergie, Lebensenergie bezeichnet. Von Wilhelm Reich entdeckt zwischen 1936 und 1940.

Orgontherapie: Die Orgontherapie löst Muskel- und Charakterpanzerung auf, mobilisiert die individuelle biologische Orgonenergie und befreit zurückgehaltene biophysische Emotionen mit dem Ziel der Herstellung orgastischer Potenz, soweit möglich. Siehe Charakteranalyse.

Orgonometrie: Ein Denksystem, das eng auf die natürliche Abfolge der Funktionen und funktionellen Prozesse ausgerichtet ist. Orgonometrie benutzt orgonometrische Formulierungen, um funktionelle Prozesse darzustellen.

Orgonomie: Die Naturwissenschaft von der Orgonenergie und ihrer Funktionen.

orgonomischer Funktionalismus: Die Anwendung funktionellen Denkens auf natürliche Prozesse.

orgonomisches Potential: Die Bewegung der Orgonenergie von einem niederen zu einem höheren Niveau, im Gegensatz zum mechanischen Potential, das sich in entgegengesetzter Richtung bewegt.

orgonomische Soziologie: Die Anwendung des orgonomischen Funktionalismus auf die Untersuchung gesellschaftlicher Prozesse.

orgonotische Pulsation:Die Pulsation der Orgonenergie in lebenden und toten orgonotischen Systemen. Meßbar mit dem Oszillographen, besteht orgonotische Pulsation aus einer expansiven und einer konvulsiven Phase.

Panzer: Die Gesamtheit des Abwehrapparats des Organismus, bestehend aus den Verhärtungen des Charakters und chronischen Krämpfen der Muskulatur. Panzer funktioniert im Wesentlichen als Abwehr gegen den Durchbruch von Emotionen – vor allem Angst, Wut, und sexuelle Erregung, als auch gegen unerträgliche Sensationen. Siehe Charakterpanzer und Muskelpanzer.

politische Charakterologie: Das Studium der gesellschaftspolitischen Einstellungen und Verhaltensweisen aus Sicht des Charakters. Identisch mit gesellschaftspolitischer Charakterologie.

primäre Triebe: Der natürliche Ausdruck des menschlichen Organismus, der aus dem biologischen Kern stammt und der ohne Panzer erfahren werden kann und beobachtbar ist, solange es keine aufgezwungenen Hemmungen gibt.

rationale Politik: Die politische Aktivität entstammt dem biologischen Kern und dient dem Schutz des Lebens.

sekundäre Triebe: Der gestörte Ausdruck der primären Triebe, der darauf beruht, daß der Panzer dabei versagt hat, die destruktiven Impulse in Schach zu halten.

Sexualökonomie: Das Wissensgebäude innerhalb der Orgonomie, das sich mit der Ökonomie der biologischen (Orgon-) Energie im Organismus beschäftigt.

soziale Angst: Angst, die sich aus dem Zusammenbruch des individuellen oder sozialen Panzers ergibt und in sozialem Aktivismus zum Ausdruck kommt. Nicht zu verwechseln mit dem identischen Begriff im Diagnotic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV).

sozialer Panzer: Jede Form der sozialen Organisation, die die individuelle Freiheit und Verantwortung einschränkt. Er ruft die gegensätzlichen Kräfte des mechanistischen und des mystischen Denkens hervor, die sich sozial, politisch und wirtschaftlich als ideologische Kräfte auf der linken und der rechten Seite manifestieren. Die autoritäre Form ist notwendig, wenn Menschen gepanzert sind.

Wahrnehmung: Die Funktion aller lebenden Systeme mit sich selbst in Kontakt zu sein. Panzerung behindert die Wahrnehmungsfunktion.


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